Monika Linnert - Farbnaturen - Naturfarben
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W O R T E
Monika Linnert: Zu meinen Bildern

Durch die an- und abschwellend modulierte, in vielen Schichten übereinander gelegte Farbe mit ihren unendlich feinen Nuancierungen erreiche ich eine Farb-Raumwirkung, die unsere tradierten Vorstellungen von der Farbe als Thema der Malerei in bisher ungeahnter Weise erweitert. Ich beobachte immer wieder, dass der Betrachter angezogen wird von einer Unbestimmtheit, die seine Wahrnehmung nicht nur aufs optische Erleben konzentriert, sondern auf sich selbst als Wahrnehmenden.

Vor diesen Farbräumen kann der Betrachter die Gewissheit seines eigenen Standorts verlieren. Er ist - im Verlust dieser Gewissheit - aus allen Mechanismen rationaler Orientierung ausgeschlossen und damit ins Irgendwo, das heisst in Einsamkeit gestellt. Dort, also ausserhalb aller Konvention der Vermessung und Raumbeherrschung ist er gleichsam schutzlos, ganz auf sich, auf sein Selbst verwiesen.

Dass Farbe gerade dies vermag, ist auch für mich neu und aufregend. Es geht von diesen farbintensiven Bildern ein meditatives Moment aus. Von Augen-Blick zu Augen-Blick finden Veränderungen statt, die jedoch zusammenwirkend ein Grosses, Ganzes bilden. Man sollte meine Bilder nachatmen, um ihre lebendige Bewegung erkennen zu können.

Meine Bilder basieren nicht auf einer Vorstellung vom Bild als Gleichnis. Vielmehr sollen sie eine reale Korrespondenz zum Leben des Betrachters - seinem Atem, seiner Lebenskraft - entwerfen. Sie wirken wie Meditationsobjekte, ohne dass sie sich auf eine bestimmte Weltanschauung oder Philosophie bezögen. Vielmehr sollen die Mittel der Kunst - die Farbe und der Raum, in dem sie erscheint - in ein stummes Wissen hineinführen. Das Denken wird immer wieder herausgefordert, ohne dass es jedoch eine Antwort für das Erleben finden könnte.

DAS MEER
Das Meer

 

 

SOMMERWALD
Sommerwald

 
Peter Sommer:

"Monika Linnert fügt sich, und das kann man mit Recht behaupten, in die Reihe der Künstlerinnen ein, die das Material der Malerei, nämlich die Farbe, ihren Klang, ihre Tiefe, ihren Gefühlswert und letztlich ihre magische Kraft als einziges Sujet für Bildaussagen nimmt.

Wir haben es hier mit kunstimmanenten Problemen zu tun, mit denen sich die Künstlerin auseinandersetzt, ohne literarische Aussage. Dass sie dabei aber den Betrachter nicht aus dem Auge verliert, belegt ihre Äußerung: Meine Bilder basieren nicht auf einer Vorstellung vom Bild als Gleichnis. Vielmehr sollen sie eine reale Korrespondenz zum Leben des Betrachters - seinem Atem, seiner Lebenskraft - entwerfen, also frei interpretierbar sein.

Auf ihren Bildern, bei denen es sich immer um Farbe und Raum dreht, befinden sich die Farben in einer fühlbaren Vibration, es gibt weniger Farbflächen als vielmehr Farbkörper und Farbräume, die sich zu entwickeln scheinen oder im Abbau begriffen sind. Dieser ambivalente Zustand verleiht den Arbeiten eine suggestive Kraft, zieht den Betrachter in den Farbraum hinein... Er wird zum Meditieren aufgefordert, zum Vergessen der gegenwärtigen banalen Erfahrungswelt. Insofern sind die Arbeiten der Künstlerin auch als abstrakte Ikonen der Malerei anzusetzen, in denen eine dramatische Stille herrscht.

Im Gegensatz zur großangelegten gestischen Malerei ist bei Monika Linnert die Aktion nach innen gerichtet. Kein extrovertierter Habitus ist auszumachen, das Pathos ist gebändigt, so dass sich der Malakt ganz auf die inneren Energien der Farbe konzentrieren kann... Alle eingesetzten Formen haben allein und ausschließlich den Zweck, die Farbautonomie zu unterstützen und irreale Farbräume zu schaffen - im weitesten Sinne aus Farben gestaltete Lichträume."